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Sonntag, 24. April 2016

Keine Liebe ohne Preis. Über die Sterbehilfe anhand eines bewegenden Artikels aus der NZZ.

Seraina Kobler fragt in ihrem Artikel "Ihr Wille geschehe" für die NZZ: Wem gehört das eigene Leben?
Eine Frage die leicht zu beantworten ist: einem selbst natürlich. Wem auch sonst?
Doch was die Autorin beschreibt ist ein Drama mit Potential zu großem Theater.
Die Frage wem das eigene Leben gehört ist nämlich nur leicht zu beantworten, wenn es um das Leben der Mutter geht, die sich an die Sterbehilfe Exit wendet. Und ihren Tod, besser den Zeitpunkt, selbst bestimmt. 
Ob das Leben ihrer jüngsten Tochter Anna noch ihr selbst gehört, ist schon viel schwerer zu beantworten.

Anna ist nach Japan ausgewandert, vor zwölf Jahren ging sie nach Kyoto und heiratete. Ihre Mutter Dora macht ihr bei bei einem Besuch Annas im Frühjahr Vorwürfe deswegen und im darauffolgenden Herbst meldet Dora bei Exit ihren Sterbewunsch an. Ein paar Monate danach teilt sie der Familie kurzfristig den von ihr gewählten Sterbetermin mit. Auch Anna will kommen, aber ihre Mutter weist sie ab: "Musst du nicht, du weinst sowieso nur, das kann ich nicht brauchen."
Auch ihr Bruder kommt nicht. Nur die ältere Schwester (fast 50) und Freunde schauen Dora bei Kaffee und Kuchen beim Sterben zu.

Sonntag, 17. April 2016

Böhmermann und darüber hinaus

Böhmermann hatte mit der Sendung seines "Gedichtes" zwei populistische (weil von der öffentlichen Meinung getragene) Stoßrichtungen:

Die eine war der von der Kanzlerin im Alleingang eingefädelte Türkeivertrag. Er ist unter den Böhmi-Fans verhasst weil sie den Flüchtlingsstrom gar nicht begrenzen wollen und weil sie niemals mit Erdogan Deals abschließen würden dafür mit Rohani immer. 
Nicht weil die Kanzlerin ihn der EU überhalf, um die (einzig effektive) Schließung der Balkanroute durch Eigeninitiative Österreichs und anderer Länder zu verhindern. Das ist bekanntlich misslungen. Also beides, auch der Türkeivertrag.
Denn auch für den braucht Merkel und die EU die Mithilfe Griechenlands, die sie nicht bekommen. Ohne Griechenland will sie aber keine EU-Politik durchgeführt sehen, als überzeugte EU-Europäerin.

Ich denke Böhmermann wollte sie bloßstellen. Was auch gelungen wäre, hätte sie, wie erwartet, die Ermächtigung zur Verfolgung des §103 nach §104a nicht erteilt.
Sie hätte dann denjenigen geschützt, der den Präsidenten Erdogan zutiefst diffamierte. Und zwar vorsätzlich und in genauer Kenntnis der Folgen. Böhmermann wollte die Kanzlerin zu seiner Marionette machen - sie vorführen. In der Hoffnung, sie gibt der öffentlichen Mehrheitsmeinung nach, so wie sie es (fast) immer tat. Die Kanzlerin Merkel hat sich jedoch verändert, sie ist zur Einzelkämpferin geworden. Sie schreckt nicht mehr vor Alleingängen zurück - so auch im Fall Böhmermann nicht. Ich will letzteres nicht werten, positiv schon gar nicht.

Die zweite Stoßrichtung liegt im Narzissmus Böhmermanns begründet und sucht Aufmerksamkeit um jeden Preis. 
Harald Schmidt hätte so was nicht gemacht, aber der war ja auch ein begnadeter Satiriker. Böhmermann ist nach eigener Aussage kein solcher, sondern macht Quatsch und wurscht ist ihm was für Folgen sein Handeln hat. Zudem wollte er wohl auch mal den Beweis antreten, dass der ÖR kein Staatsfernsehen ist. 
Ist er aber doch (übrigens der einzige Punkt in dem ich mit Erdogan einer Meinung bin) nur hat mal die Kontrolle versagt oder die Kanzlerin sieht einfach dem Ende ihrer Amtszeit entgegen. Da der Medienbetrieb ziemlich links tickt und die Umfragewerte der SPD in den Keller rauschen, kann man das Ganze ebenso als Tritt ansehen.

Samstag, 16. April 2016

Kulturnation Deutschland

Jan Böhmermann fordert mit dem was er und sein Arbeitgeber, das ZDF, unter Satire verstehen, die Kulturnation heraus. Es gibt nicht wenige die sein "Gedicht" weder für Satire noch für Kunst halten.
Ich übrigens auch nicht. 

Deutschland begreift sich nicht nur als Kulturnation, es stellt die Kultur sogar über die Zivilisation. Kultur ist in Deutschland die höchste Form von Zivilisation. Wenn über Amerika gesagt wird es hätte keine Kultur, wird ihm nicht Unzivilisiertheit unterstellt, sondern dass es nicht über den kulturellen Hintergrund einer Nation wie Deutschland verfügt, die seine uralte Kultur zur Veredelung seines hohen Zivilisationsgrades nutzen kann.

Diesen Maßstab im Blick erhebt selbst den Waschbeutel des deutschen Reisenden zum Kulturbeutel. Wer Flüchtlinge nicht abweisen will, weil er meint die Integration zu schaffen, egal wie viele auch kommen mögen, nennt das Willkommenskultur. Selbst negativ konnotierte gesellschaftliche Trends führen zum angeblichen Aufkommen einer Neidkultur. Ohne die Überhöhung zur Kultur, lässt sich wohl keine gesamtgesellschaftliche Relevanz erreichen und erst recht keine der allseits beliebten Nabelschaudebatten führen. 

Kultur in Deutschland ist allumfassend, politisiert von lechts bis rinks und steht für Deutschland wie ein Alleinstellungsmerkmal. Deutschland ist Kultur und Kultur ist was deutsch ist.
Was nicht zur deutschen Kultur gehört aber aus Deutschland stammt, also alles was auch nur im entferntesten mit dem Nationalsozialismus zu tun hat, muss raus, ist Pack und Pöbel, mitunter nicht mal mehr menschlich.
Ihm, dem Nationalsozialismus, wird die Kultur komplett abgesprochen, weswegen es keinen Kulturbruch gab. Nur einen Zivilisationsbruch. Die Kultur hat das ohne Folgen überstanden.

Nun kommt Jan Böhmermann und das ganze Land redet vom Ziegenficken, als wäre es das Normalste in der Welt, pardon, in Deutschland. Oliver Welke in der "heute show":
"Wie stehen wir als Kuturnation zum Thema Ziegenficken? Ich komme aus Ostwestfalen, ich bin da relativ tolerant. Bei uns hieß es immer: Wenn die Ziege damit einverstanden ist."
Das mit dem Einverständnis kommt mir bekannt vor. Damals ging es nicht um Ziegen, sondern um Kinder - in Böhmermanns "Gedicht" kommt beides vor...
Ich kann nur hoffen, dass Deutschland auch diesmal wieder die Kurve kriegt.

Erling Plaethe

Montag, 28. März 2016

Eine Antwort auf Margot Käßmanns jüngste Verkündung

Margot Käßmann hat sich zum Umgang mit Terroristen geäußert. 
Zum Umgang mit Söldnern, zu Kriegsverbrechern einer quasi staatlichen Macht die getarnt und außerhalb des Völker- und Kriegsrechts Massenmorde an der Zivilbevölkerung verübt, dem gesamten Westen den Krieg erklärt hat und jeden mit dem Tode bedroht der sich nicht den Islam des IS zueigen macht.
Sie sagte in einem Interview mit der BamS:
"Jesus hat eine Botschaft hinterlassen: Liebet eure Feinde! Betet für die, die euch verfolgen!"
Diese Botschaft war einst an das unterdrückte Volk der Juden gerichtet. Rechtlose Arme konnten damals keine Ansprüche auf Ausgleich für von der römischen Besatzungsmacht begangenes Unrecht geltend machen.
Die Botschaft war: Nehmt euer Recht nicht in die eigenen Hände. Sie war gegen Formen der Blutrache und Selbstjustiz gerichtet.
Insofern war die Aussage Käßmanns u.U. sogar angebracht, wäre sie so gemeint gewesen.
Doch sie wurde deutlicher:
"Für Terroristen, die meinen, dass Menschen im Namen Gottes töten dürfen, ist das die größte Provokation. Wir sollten versuchen, den Terroristen mit Beten und Liebe zu begegnen."
Frau Käßmann scheint zu verdrängen, dass wir in einem Rechtsstaat leben, der Gesetze und Strafverfolgung kennt. Dem ist auch sie unterworfen.
Nein, den Terroristen ist in keinem Fall mit Beten und Liebe zu begegnen - von niemandem - sondern mit Verfolgung und Bestrafung. Sonst könnte man sich zurecht der Unterstützung strafbar machen.
Was als Forderung an die Muslime in Europa geht, nämlich den Verdacht terroristischer Aktivitäten ihrer Glaubensbrüder den staatlichen Verfolgungsbehörden zu melden und die Verdächtigen evtl. auszuliefern, gilt natürlich auch für Christen wie Frau Käßmann.
Keine Ahnung warum die Lutherbotschafterin meint eigene Regeln für den Umgang mit diesen Kriegsverbrechern aufstellen zu können - sie hat kein Recht dazu.
Auch ihr Glaube gibt ihr dazu kein Recht. So wenig wie der eines Moslems.

Dem Reformator Luther waren solche Anwandlungen fremd und nie stand für ihn in Frage, wie mit feindlichen Kämpfern umzugehen ist, wie einem interessanten Beitrag der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover zu entnehmen ist:
„Es ist so, wie wenn ein guter Arzt, wenn die Krankheit so schlimm und gefährlich ist, Hand, Fuß, Ohr oder Augen abnehmen und entfernen muss, um den Körper zu retten. […] So ist es auch: Wenn ich das Amt ansehe, das Krieg führt, wie es die Bösen bestraft, die, die Unrecht haben, tötet und solchen Jammer ausrichtet, da scheint es ein durchaus unchristliches Werk zu sein und in jeder Hinsicht gegen die christliche Liebe. Sehe ich aber darauf, wie es die Gerechten beschützt, Frau und Kind, Haus und Hof, Gut, Ehre und Frieden damit erhält und bewahrt, so ergibt es sich, wie wichtig und göttlich das Werk ist. Und ich merke, dass es auch ein Bein oder eine Hand abhaut, damit nicht der ganze Leib stirbt. Denn wenn nicht das Schwert entgegentritt und den Frieden bewahrt, müsste alles, was es in der Welt gibt, im Unfrieden verderben."
Auch nicht für Jesus Christus, denn ihm ging es ebenfalls darum, nicht in einem Aufruhr und einer revolutionären Bewegung für Gerechtigkeit zu kämpfen:
„Da sprach Jesus zu Petrus: Steck Dein Schwert in die Scheide! Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat?“ (Joh 18,11). Weil sein Friede ein anderer ist als der in einer erlösungsbedürftigen Welt, kann er nicht mit weltlichen Ordnungsmitteln errungen werden. „Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden dafür kämpfen, dass ich den Juden nicht überantwortet würde; nun aber ist mein Reich nicht von dieser Welt“ (Joh 18, 36).
Und was den militärischen Kampf gegen die, welche uns den Krieg erklärten, anbelangt, sollte Margot Käßmann nochmal die Denkschrift des Rates der EKD von 2007, "Aus Gottes Frieden leben - für gerechten Frieden sorgen" lesen:
"Das christliche Ethos ist grundlegend von der Bereitschaft zum Gewaltverzicht (Mt 5,38ff.) und vorrangig von der Option für die Gewaltfreiheit bestimmt. In einer nach wie vor friedlosen, unerlösten Welt kann der Dienst am Nächsten aber auch die Notwendigkeit einschließen, den Schutz von Recht und Leben durch den Gebrauch von Gegengewalt zu gewährleisten (vgl. Röm 13,1–7). Beide Wege, nicht nur der Waffenverzicht, sondern ebenso der Militärdienst setzen im Gewissen und voreinander verantwortete Entscheidungen voraus."
Zum Abschluss soll noch einmal Frau Käßmann zu Wort kommen:
"Ja, eine solche Haltung wird belacht und sie wird auch viele Menschen überfordern. Weil es der menschliche Instinkt ist, Rache zu üben. Aber auf den Hass nicht mit Hass zu antworten, das ist die Herausforderung"
Nein, möchte ich ihr zurufen, Ihre Haltung wird nicht belacht, sondern eher belächelt. Und überfordern tut sie schon mal erst recht niemanden. Möglicherweise sind Sie überfordert zur Kenntnis zu nehmen, dass Rache schon lange kein sich frei entfaltender Instinkt mehr in unserer Gesellschaft ist. Ebenso wie der Hass. Im Gegensatz zu denen die uns morden wollen, haben die meisten von uns unsere Gefühle im Griff.
Auch wenn sie, aus nachvollziehbaren Gründen, keine Liebe gegenüber den Massenmördern empfinden können. Das wird wohl Ihr Privileg bleiben, Frau Käßmann.

Nur allzu deutlich verallgemeinert und missinterpretiert Frau Käßmann was Jesus und Luther zu trennen wussten: weltliche und göttliche Macht.
Der Glaube ist eine Privatangelegenheit in unserer westlichen Welt. Und das positive und überpositive Recht darf nicht in Konkurrenz oder gar Gegnerschaft zur Religiosität der Bürger gestellt werden.
Der Islam mit seinem Rechtssystem fordert genau auf diese Weise ständig die Rechtssysteme der freien westlichen Welt heraus. Das schafft genug Probleme und Unbehagen.
Wir sollten nicht noch mit evangelischen Theologen solche Grundsatzfragen klären müssen.

Erling Plaethe

Sonntag, 6. März 2016

Wolfgang Schäubles schwache Argumentation gegen den Brexit

Der Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat sich in der "Welt" Gedanken über den immer wahrscheinlicher werdenden Austritt Großbritanniens aus der EU gemacht.
Der Artikel beginnt mit den Worten:
Eines vorweg: Es ist natürlich allein Sache der Briten, wie sie sich am 23. Juni entscheiden – ob sie die Europäische Union verlassen wollen oder nicht. Aber wir, die Bundesregierung, die europäischen Partnerländer, hoffen, dass die Briten zu dem Schluss gelangen, dass es für sie und ihr Land das Beste ist, in der Europäischen Union zu bleiben.
Stellen Sie sich mal vor, lieber Leser, Sie bekämen ein Schreiben vom Finanzamt das mit den Worten beginnt: Es ist natürlich allein Ihre Sache wie Sie entscheiden Ihr Einkommen einzusetzen, aber wir hoffen, Sie kommen zu dem Schluss, dass wir am Besten wissen, wie dies in Ihrem Interesse ablaufen sollte.
Sie wären, wie soll ich sagen, alarmiert. Oder?

Herr Cameron und Herr Johnson werden nicht unbedingt der Adressat von Schäubles Botschaft sein, aber, wir sind mit ihr direkt auf ein tragendes Argument für den Brexit gestoßen.
Nebenbei bemerkt ist es übrigens sehr deutsch, so ohne Umschweife gleich mal zu bestätigen, was man eigentlich für ein Vorurteil hält:
Dass Deutschland die EU dominiert und andere Länder, wie GB schikaniert - "bullied" sagen die Briten dazu.
Sie haben genug davon weil sie ihre Souveränität schätzen und selbst entscheiden wollen, wen sie ins Land lassen und wie sie ihre Wirtschaft und den Finanzsektor regulieren und ob überhaupt.
Herr Schäuble antizipiert dies sogar und spricht davon wie sehr die EU das liberale GB braucht, ohne allerdings die sich aufdrängende Frage zu beantworten, warum zur Abwechelung nicht mal Deutschland den liberalen Part in der EU übernehmen könnte. Sei es um dem Vereinigten Königreich den Rücken zu stärken oder einfach nur gemeinsamen Zielen mehr Bedeutung zukommen zu lassen.

Aber das ist noch lange nicht das Ende der Merkwürdigkeiten im Artikel des Bundesfinanzministers.
Er verweist auf den Economist der bereits "durchdekliniert" hätte, nicht nur die EU würde durch den Brexit geschwächt, nein, auch GB. Seine Optionen werden dann allerdings mitnichten auf dem Hyperlink "Economist" durchdekliniert, dort erscheint erstmal Werbung in eigener Sache.
Denn der Economist ist nicht nur Brexit-Gegner sondern auch begeistert von der Kanzlerin. Und so springt einen nach dem Klick die Schlagzeile an:
Angela Merkel, die Unabkömmliche
Spätestens an dieser Stelle hoffe ich inständig, Schäubles Beitrag soll nicht auf der Insel gelesen werden.
Aber gut, Wolfgang Schäuble schätzt die Bundeskanzlerin und das ist auch gut so, oder so.

Sonntag, 28. Februar 2016

Netanjahu nimmt Kanzlerin Merkel beim Wort und wird der Verdrehung von Worten beschuldigt.

Die "Welt" schreibt heute, die Kanzlerin sei wiedereinmal sauer auf Netanjahu. Nun bin ich als Leser dieser Zeitung nicht an Hintergrundgesprächen beteiligt und wundere mich: wiedereinmal?
Wie oft kam es denn vor, dass sich die Kanzlerin über den israelischen Regierungschef ärgern musste? Und wann bitte war dies das letzte Mal der Fall?
Ganz ehrlich, ich kann mich nicht erinnern, jemals gelesen zu haben, Angela Merkel sei über Benjamin Netanjahu verärgert gewesen.

Die Kanzlerin spricht in ihrem Statement beim kürzlichen Besuch Netanjahus in Berlin von einem Prozess des friedlichen Zusammenlebens der sich am Schluss auf einer Zweistaatenlösung aufbaut. Und sie sagt weiter: 

Jetzt ist sicherlich nicht der Zeitpunkt, um einen ganz umfassenden Fortschritt zu machen.
 
Nein, ganz sicher nicht. 
Denn jetzt ist der Zeitpunkt an dem seit letztem Jahr die Palästinensische Autonomiebehörde dazu ermuntert, ja geradezu aufruft, Israelis zu ermorden. Und es ist die Zeit, in der diese Terroristen von den potentiellen Verhandlungspartnern geehrt werden. Wobei "potentiell" maßlos übertrieben ist, da Abbas sich auf keinen Fall mehr mit Vertretern Israels an einen Verhandlungstisch setzen will. 

Wahrlich kein Zeitpunkt. 

Und wo kein Zeitpunkt für Verhandlungen ist, geschweige denn für Fortschritte, ist erst recht keiner für einen palästinensischen Staat.
Dessen Legitimation nicht trotz des Terrors der von ihm ausgeht, entstehen würde, sondern wegen ihm. 
Das wäre das genaue Gegenteil eines friedlichen Zusammenlebens. 

Also worüber ärgert sich die Kanzlerin?

Von Netanjahu beim Wort genommen zu werden, zunächst einmal.
 Denn er hat nichts weiter gemacht, als ihre Worte zu wiederholen. Nicht sinnentstellt, nicht verdreht, aber, und das ist der springende Punkt, vergleichend. Und zwar zu einem früheren Zeitpunkt als noch keine Araber (oder Palästinenser) mordend Israels Städte terrorisieren. 
Es ist sicher ungeschickt oder wie die "Welt" die Art der Diplomatievon Netanjahu beschreibt, "robust" festzustellen, die Kanzlerin hätte einen Kurswechsel vollzogen. Das kommt dem Eingeständnis einer Fehlinterpretation gleich. 
So etwas unterläuft der deutschen Kazlerin nicht. Niemals!

Die Kanzlerin, so scheint mir, ärgert sich viel mehr darüber, nicht vage genug formuliert zu haben und nun auf ihre Worte festgelegt worden zu sein. 

Nun gibt es in Israel, wie in jeder westlichen Demokratie, Idealisten die trotzdem einen guten Zeitpunkt für Verhandlungen sehen, obwohl es keinen verhandlungsbereiten Partner gibt und obwohl es diesem gar nicht um eine Zweistaatenlösung geht, sondern um einen Staat Palästina - ohne Israel. 
Diese politisch links liegenden Idealisten sind nun enttäuscht von Angela Merkel. 

Sie will aber nicht auch noch rechts von denen eingeordnet werden. Also wird kurzerhand behauptet, Netanjahu hätte ihr die Worte im Mund verdreht. 
Stimmt zwar nicht, doch die "Welt" meint, dass wäre wohl so offensichtlich, dass sie dazu auffordert, sich selbst ein Bild zu machen. 
Ich habe es getan und finde die Interpretation der Aussagen Angela Merkels in dem Artikel: http://m.welt.de/politik/deutschland/article152729005/Netanjahu-verdreht-Merkels-Worte-und-loest-Streit-aus.html
an den Haaren herbeigezogen. 

Und noch etwas ist mir aufgefallen:
Die "Welt" schreibt, Angela Merkel betreibe eine konsequent proisraelische Politik. Solch eine Konsequenz kam bei der deutschen Unterstützung einer europäischen Einführung der nichtisraelischen Kennzeichnungspflicht für Produkte aus den Siedlungen in Judäa und Samaria nicht zum tragen. 
Stattdessen hat sich die Kanzlerin damit den Beifall und die Unterstützung der Boykottbewegung BDS verdient. 

Die Zweistaatenlösung ist nicht mehr als eine Wunschvorstellung. Weder die Hamas noch die Fatah vertreten sie. Ihre Vorstellung eines eigenen Staates impliziert die Vernichtung Israels und die Vertreibung aller Juden.
Nur eine Abkehr von dieser Politik des Hasses kann einem friedlichen Zusammenleben den Weg ebnen, an dessen Ende nach Friedensverhandlungen neben dem jüdischen Staat Israel ein weiterer arabischer Staat entstehen kann.

Erling Plaethe 

Samstag, 13. Februar 2016

Das Partner-Problem des Westens in Syrien

Beinah jede Diskussion darüber, ob der Westen in den syrischen Bürgerkrieg eingreifen sollte oder nicht, mäandert meist solange herum bis sie zur der pragmatischen Frage kommt, wer von den Kriegsparteien, oder Rebellen, überhaupt ein Partner für den Westen sein könnte.
Wer also keinen Gottesstaat errichten will und Assad, IS und Al-Qaida (Al-Nusra-Front) bekämpft. Vom ernstzunehmenden Willen demokratische Verhältnisse aufbauen zu wollen mal ganz abgesehen.
Die Freie Syrische Armee kooperiert zu stark mit der Al-Nusra-Front, wie auch die anderen sunnitischen Milizen die gegen den IS kämpfen deswegen noch lange nicht als gemäßigt gelten.

Der einzige Partner den der Westen nach langer, langer Suche in Syrien gefunden hat, sind die Kurden der YPG. Die bekämpfen zwar recht erfolgreich den IS aber gehen nicht (mehr) gegen Assad vor. Und sie sind mit der PKK verbunden die als terroristische Organisation gelistet wird. Zudem gibt es wegen der Unterstützung der YPG ständig Spannungen innerhalb der NATO mit der Türkei. Die gab es zwar auch als diese indirekt des IS unterstützte aber nun spitzt sich der Streit zu.

Denn Russlands Eingreifen in den syrischen Bürgerkrieg lief von Beginn an gradliniger und kalkulierter ab. Zunächst einmal hat Russland Partner, die seinem eigenen Schwergewicht noch mehr Bedeutung verleihen: Der Iran, seine paramilitärischen Einheiten der Hisbollah und die Reste der syrischen Armee von Assad, der immer noch Präsident Syriens ist. Und der jedem militärischen Einsatz, wenn es keine Aggression sein soll, zustimmen muss.
Damit nicht genug. Russland macht auch noch dem Westen seinen einzigen Partner streitig, in dem es geschickt den provozierten Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei nutzt, um den syrischen Kurden zu helfen an der Grenze zur Türkei ein durchgängiges Autonomiegebiet zu etablieren. Es gab bereits letztes Jahr Gespräche im Moskauer Außenministerium mit Vertretern der syrischen Kurden.

Der Grund für die Unterstützung des IS durch die Türkei lag vor allem in der Verhinderung dieser sich anbahnenden Situation. Putins Worte, die Türkei würde den Abschuss noch bitter bereuen, nehmen jetzt konkrete Züge an. Denn die kurdische Autonomieregion Rojava hätte eine Schutzmacht mit der sich die NATO nicht anlegen wird. Und die Türkei kann nichts, aber auch gar nichts, dagegen tun. Was das Verhältnis Europas zur Türkei keinesfalls einfacher machen wird. 

Dass dem Westen nun auch dieser Partner abhanden kommt, liegt allerdings nicht nur an den brillanten wie skrupellosen strategischen Fähigkeiten von Putins Russland.
Einiges ist auch hausgemacht.