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Dienstag, 29. September 2015

Arbeitende Flüchtlinge? Nein danke.

So lautet die Überschrift des heutigen Kommentars von Florian Gathmann auf S.P.O.N.

Dieses "Nein danke" könnte auch die Antwort sein auf: "Wünschen der Herr noch die Dessert-Karte?" oder: "Noch einen Espresso?".
Nein, der Kellner soll aufhören zu nerven. Ich will nichts, nein danke! Und hau'n Sie ab, ich sitz' hier so lange ohne zu bestellen wie 's mir passt. Ich bin König!

Geradezu stilprägend wurde es aber durch: "Atomkraft? Nein danke!". Was für ein peinlicher Slogan.
"Möchten Sie noch Sahne zum Kuchen?" 
"Ist die handgeschlagen?"
"Wir schlagen die Sahne mit der Maschine."
"Nein danke."

Ja, mancher Bürger will gefragt werden. Und zwar bei jeder anstehenden Entscheidung. Er bildet das Zentrum des gesamten Universums. Alles dreht sich um ihn. Und er sagt gerne nein. Danke weniger, aber es kommt dann nicht so nihilistisch rüber. Schließlich bedankt man sich ja für das Angebot. Aber nein. Kernkraftwerke? Nein, will ich nicht.

Na gut, dann schalten wir sie ab.

Jetzt sind also Ausnahmen vom Mindestlohn in die Empörungskategorie der Kernkraftwerke aufgestiegen. Eine heilige Kuh wurde da geboren.

Böse Zungen behaupten ja, die Mindestlöhne sind unter dem Druck der Gewerkschaften eingeführt worden, weil sie im Niedriglohnsektor keinen Fuß in die Tür bekamen.
Nein, danke. Will nicht in die Gewerkschaft eintreten. Ich mach das hier nur übergangsweise.

Etwas verklausuliert, aber durchaus verständlich wurde jedoch kommuniziert: Billige Arbeitskräfte aus dem (EU-)Ausland mit ihren Dumpinglöhnen sollen vom deutschen Arbeitsmarkt ferngehalten werden. Das kam an und versprach breite Unterstützung.

Nun sind die billigen Arbeitskräfte trotzdem da. Und als hätte das jemand kommen sehen, wurde der Mindestlohn gerade noch rechtzeitig zum Beginn des Jahres beschlossen. Das war echt knapp. Gerade noch die Kurve gekriegt.

Doch ein paar Neoliberale geben keine Ruhe und wollen die größte soziale Errungenschaft seit der Mitbestimmung löchrig machen. Besser noch: die gerade hochgezogene Barriere gegen eine Überschwemmung des deutschen Arbeitsmarktes mit billigen Arbeitskräften wieder einreißen!
Nicht auszudenken! Am Ende haben die Flüchtlinge Arbeit, nehmen ihre Zukunft in die eigenen Hände und bedürfen keiner Fürsorge mehr?
Nein, danke.
Dürfen die das überhaupt?
Was CDU-Politiker wie Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff und das Präsidiumsmitglied Jens Spahn verlangen, befeuert genau die Neid-Debatte, vor der sich alle fürchten: Falls Hunderttausende Flüchtlinge plötzlich für weniger als die gesetzlich festgelegten 8,50 Euro pro Stunde arbeiten dürften, würden deutsche Arbeitskräfte ins Hintertreffen geraten. Und plötzlich würde es - zu Recht - heißen: "Nun nehmen sie uns auch noch die Arbeit weg."
Moment mal, zu Recht? Haben am Ende die sogenannten Rechten, also die Nazis und so, recht?
Erstaunlich.
Dann haben also vor dem Mindestlohn die Ausländer uns Deutschen immer wieder die Arbeit weggenommen?

Und die ganzen Anständigen, die keine Gelegenheit auslassen ein Zeichen zu setzen um Farbe zu bekennen, kuschen auf einmal vor Neid-Debatten?

Danke, lieber Spiegel, für die Offenheit, die Ehrlichkeit und die längst bekannten aber immer vehement zurückgewiesenen Gemeinsamkeiten mit dem "Pack". 

Ja, die Flüchtlinge die bei uns ankommen sind bereits vor einiger Zeit vor dem Krieg geflohen. Jetzt flohen sie aus einem Land, dass sie dauerhaft in Lagern halten wollte. Ohne Aussicht auf Arbeit, Einkommen und einer Chance auf eine neue Zukunft.
Diese Menschen wollen nicht am Gängelband der Mindestlohnkämpfer für sozialromantische Ideen instrumentalisiert werden. Sie kommen weil sie sich Chancen erhoffen.
Und sie brauchen Einkommen, jetzt, sofort. Es gibt Arbeit, sie werden gebraucht. Auch ohne Deutschkenntnisse. Das lernen sie bei der Arbeit. Auch ohne deutsche Facharbeiterausbildung können sie lernen, was sie für einen bestimmten Job befähigt. Dafür muss man nicht zur Schule.
Es gibt viele Wege aus der Misere. Einer davon ist, beginnen zu können. 
Bei McDonalds zum Beispiel.

Ohne Vorrangprüfung und Mindestlohn. 

So sieht effektive Hilfe aus: Im Wegräumen von Barrieren.
Wenn Flüchtlinge nicht willkommen geheißen werden sollen, damit sie welche bleiben.

Erling Plaethe

Kommentare:

  1. Zunächst mal: Eine Ausnahme vom Mindestlohn nur für "Flüchtlinge" wäre Diskriminierung der Inländer. Wenn schon, dann Abschaffung für alle.

    Aber auch dann ist es klar, dass ein Mehr an Arbeitskräften natürlich zu einem Mehr an Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt führt. Erst recht, wenn sich diese Arbeitskräfte in ganz bestimmten Segmenten ballen - hier also im Niedrigstlohnsektor. Wer diese nüchterne Feststellung verurteilt, weil das nach "die Ausländer nehmen uns die Arbeit weg" klinge, dem kann ich auch nicht helfen.

    "Es gibt Arbeit, sie werden gebraucht. Auch ohne Deutschkenntnisse. Das lernen sie bei der Arbeit."

    Mit Verlaub: Wenn das so wäre, dann wären alle Einwanderungsländer dieser Welt mit hochgradiger Dämlichkeit geschlagen, weil sie auf qualifizierter Zuwanderung bestehen. Und es wäre umgekehrt unser höchstes Glück, dass unsere Grenzen nicht mehr existieren. Das kann man behaupten. Nur dürfte es einer realistischen Betrachtung nicht standhalten. Der Bedarf an Arbeitern ohne jegliche Qualifikation ist in unserer Wirtschaft minimal. Solche Tätigkeiten sind zu großen Teilen längst produktivitätssteigernd wegmechanisiert oder werden es demächst. Übrig bleiben einige wenige Dienstleistungsjobs. Das ist nichts, wo man sich irgendwo hin "hocharbeiten" könnte.

    "Auch ohne deutsche Facharbeiterausbildung können sie lernen, was sie für einen bestimmten Job befähigt." Mal wegen der "Flüchtlinge" eben das deutsche Ausbildungssystem beerdigt. Kann man auch machen. Aber dann darf man sich nicht wundern, wenn sich sehr viele andere Menschen am Kopf kratzen ob solchen Forderungen.

    "Dafür muss man nicht zur Schule." Oh, ich vergaß, auch überflüssig. Was diese Gesellschaft doch alles für Ballast mit sich herum schleppte, bevor sie von den "Flüchtlingen" endlich erlöst wurde.

    Nicht nur, dass diese Sicht an jeder Realität vorbei rennt, sie ist auch hochgradig technokratisch. Man kann nicht mal eben so Millionen von Menschen aus fremden Kulturen en passant ohne gemeinsame Sozialisation in eine andere Gesellschaft injizieren, ohne dass es zu massiven Spannungen käme - und da formuliere ich noch vorsichtig.

    Vielleicht steckt ja eine Anti-Euro-Strategie dahinter, Deutschland auf das Niveau von Ländern wie Portugal oder Griechenland zu drücken, aber der Preis wäre mir dann doch zu hoch.

    By the way: "Sie kommen weil sie sich Chancen erhoffen." Womit jegliche Rechtsverpflichtung zu einer Aufnahme entfallen wäre. Was weltweit auch Rechtspraxis ist.

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  2. Zunächst einmal: Es gibt bereits Ausnahmen vom Mindestlohn, Langzeitarbeitslose sind z.B. ausgenommen. Ganze Branchen (sechs) sind ausgenommen mit über einer Million Beschäftigten. Von einer Diskriminierung könnte also nicht die Rede sein.
    Der so hart bekämpfte Niedriglohnsektor hat in Deutschland ganz entscheidend zum Rückgang der Arbeitslosigkeit beigetragen. Ob ein mehr an Konkurrenz überhaupt entsteht, ist abhängig von der Entwicklung der Angebote in diesem Sektor. Ich verurteile in der Tat Bemühungen jeder Art Konkurrenz auf Märkten verhindern zu wollen.
    Hier: Lieber eine dauerhafte Nachfrage nach Arbeitskräften in Kauf zu nehmen, was das wirtschaftliche Wachstum bremst, als ein Überangebot mit Konkurrenz und vorübergehender Arbeitslosigkeit.
    Es ging in meiner Argumentation auch nicht um einen Klang, sondern um die tatsächliche Feststellung das Ausländer Deutschen die Arbeit wegnehmen.
    Ich denke, der Arbeitsmarkt ist sollte denen zur Verfügung stehen, die in Deutschland leben.
    Und nebenbei bemerkt bin ich, gegen den Mindestlohn und plädiere hiermit dafür ihn komplett auszusetzen.
    Dass Deutschkenntnisse bei der Arbeit nicht zwingend gebraucht werden, entspringt persönlicher Erfahrung. Ich habe mal ein paar Jahre einen eigenen gastronomischen Betrieb geführt. In diesem haben Mitarbeiter aus sehr unterschiedlichen Nationen gearbeitet (Russland, Rumänien, GB, Bulgarien). Es wurde die Sprache gesprochen die alle irgendwie verstehen (englisch) und auch deutsch wurde immer wieder gesprochen. Im Ergebnis verbesserte sich die Kommunikation mit jedem Tag, auch sprachen die Mitarbeiter immer besser Deutsch mit der Zeit.
    Ich selbst habe nie englisch gelernt, musste bei meiner Arbeit als Tauchlehrer in Südostasien aber englisch unterrichten wenn ich mehr Taucher ausbilden wollte. Also habe ich es einfach versucht und es ging mit jedem Kurs immer besser. Außerhalb Deutschlands scheint mir das Verständnis für die nicht perfekte Anwendung einer Sprache auch weitaus größer zu sein. Was den Einstieg in eine Sprache erheblich erleichtert.
    Amerika ist voll mit illegalen Einwanderern. Spanisch sprechende Einwanderer die ihre Sprache mit in die Staaten brachten mit dem Ergebnis, dass spanisch zur zweiten Verkehrssprache wurde. Für diese illegalen Einwanderer fanden sich Arbeitsplätze, viele im Niedriglohnsektor. Und in Australien sieht es nach meiner persönlichen Erfahrung nicht viel anders aus.
    Und ich habe noch ein Beispiel. Diesmal mich selbst betreffend. Meinen ursprünglichen Beruf übe ich nicht aus.
    Das Fachgebiet in dem ich arbeite, habe ich nicht in einer klassischen Ausbildung gelernt, sondern durch learning by doing. Damals gab es dafür noch gar keine Ausbildung. Jedenfalls nicht im Westen Deutschlands.
    Als ich begann gab es diesen Beruf noch gar nicht. Und es ist nicht das einzige Fachgebiet zu dem ich mir Zugang verschafft habe.
    Ich bin immer wieder erstaunt, in welch festgefahrenen Strukturen die Arbeitswelt betrachtet wird, meiner Erfahrung nach ist sie viel flexibler als so manch ein Technokrat wahrhaben will.

    Ich rede hier nicht davon jeden aufzunehmen der ein Land sucht wo er neu beginnen kann, nachdem sein eigenes in Terror und Barbarei versunken ist. Deutschland leistet seinen Teil und andere den ihren. Natürlich gibt es eine Grenze der Aufnahmefähigkeit und die sollte auch definiert werden. In diesem Punkt hatte die Kanzlerin unrecht. Es gibt auch für humanistische Hilfe eine Obergrenze.
    Aber wegen der Flüchtlinge die gekommen sind und bleiben, weil ihr Asylgrund anerkannt wurde, müssen Barrieren fallen, müssen Standards gesenkt und abgeschafft und muss Flexibilität an diese Stelle gesetzt werden.
    Und nicht nur wegen ihnen.

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    1. "Es gibt bereits Ausnahmen vom Mindestlohn, Langzeitarbeitslose sind z.B. ausgenommen. Ganze Branchen (sechs) sind ausgenommen mit über einer Million Beschäftigten. Von einer Diskriminierung könnte also nicht die Rede sein."

      Hier weniger. Zum einen, weil jeder Arbeitslose, der einen geringeren als den Mindestlohn angeboten bekommen müsste, auch mit hoher Wahrscheinlichkeit Langzeitarbeitsloser sein könnte, zum anderen, weil Branchenbezogenheit eben nicht Personenbezogenheit ist. Wenn aber ausgerechnet die nicht veränderliche und durch Inländer nicht erwerbbare Flüchtlings-Eigenschaft als Kriterium herangezogen wird, liegt klassische Diskriminierung vor.

      Aber Du bist ja gegen den Mindestlohn generell, und das wäre auch meine Empfehlung.

      Ansonsten fürchte ich wieder einmal, dass uns anekdotische Evidenz nicht weiterhelfen wird. Es gibt immer Menschen, die keine von den üblichen Voraussetzungen nötig haben, um zu reüssieren, aber wenn wir den Blick auf ganze Menschenmassen richten, dann schlagen eben allgemeine Statistiken zu, und die geben weder für Deutschland noch für andere Länder mit großzügigster Asylregelung zu großen Hoffnungen Anlass. Und das lediglich auf sich über viele Jahre verteilende Zuwanderung, nicht auf schockartig einfallende. Die Zeit, die diese Gesellschaft und diese Volkswirtschaft bräuchte, um hier die nötige Integration für alle zu ermöglichen, bekommt sie nicht.

      Schlimmer: Die Probleme fangen viel früher an. In meiner Gemeinde diskutiert man noch darüber, ob die Turnhalle des Ortes oder eine andere Einrichtung für die Aufnahme der nächsten Welle herangezogen werden soll. Dabei ist das ein Witz: Es geht nur um die Reihenfolge. Und was, wenn alle diese Einrichtungen belegt sind? Dann kommen die Enteignungen. Und wenn die durch sind? Die Zwangszuweisungen? Und wenn erst mal der Familiennachzug einsetzt, dann wird es richtig interessant.

      Wir brauchen doch über Arbeitsmärkte gar nicht zu reden, wenn die Grundbedürfnisse der Neuankömmlinge nicht mehr zu decken sind. Und bei denen handelt es sich keinesfalls ausschließlich um freundliche, geduldige und dankbare Schutzsuchende, sondern zu großen Teilen um Leute, die genau wissen, warum sie gekommen sind, und die ihre Ansprüche mit allen Mitteln geltend zu machen bereit sind. Die Flöhe dazu hat ihnen unsere moralingetränkte Politik ins Ohr gesetzt.

      "Deutschland leistet seinen Teil und andere den ihren." Beides sehe ich nicht. Deutschland leistet weit mehr, und zwar aufgrund eigener Taten. Andere Länder brauchen deswegen nur durchzuwinken, wohl wissend, dass so gut wie jeder Zwangsumgesiedelte in den nächsten Zug nach Berlin steigen wird.

      Deutschland hat die Hoheit über seine Grenzen abgegeben. Wenn es jetzt nicht in höchstem Maß für Einwanderer unattraktiv wird, was ich politisch als nicht durchsetzbar ansehe, dann ist damit der Untergang der deutschen Nachkriegsgesellschaft, wie wir sie kannten, besiegelt. Genau das steckt hinter den Parolen, dass sich dieses Land ändern müsse. Es wird sich ändern, und zwar in eine Richtung, die wir uns alle nie hätten vorstellen können. Weil es den Willen, die eigenen Errungenschaften zu bewahren, nicht mehr aufzubringen imstande ist.

      "Natürlich gibt es eine Grenze der Aufnahmefähigkeit und die sollte auch definiert werden. In diesem Punkt hatte die Kanzlerin unrecht. Es gibt auch für humanistische Hilfe eine Obergrenze." Da sind wir uns einig. Aber genau das passiert nicht. Diese Grenze wird nicht definiert. Und sie wird schon gar nicht durchgesetzt werden. Kannst du dir vorstellen, welche Maßnahmen dazu nötig wären? Wärest du bereit dazu? Und glaubst du auch nur eine Sekunde, dass diese Gesellschaft den Willen dazu aufbringen könnte? Die ein Verfahren der EU am Hals hat, weil sie nötige Abschiebungen nicht durchzusetzen vermag? Nein - wann immer Deutsche sich in ihren Idealen besonders verwirklicht sehen, bringen sie Unheil über Europa. Das wird auch diesmal so sein, und nichts wird es aufhalten.

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    2. "Ansonsten fürchte ich wieder einmal, dass uns anekdotische Evidenz nicht weiterhelfen wird."

      Die Frage ist ja immer, ob entsprechende Statistiken, die natürlich hilfreicher wären, überhaupt existieren. So las ich gerade im aktuellen LIBERAL zum Thema Studienabbrecher und ihr weiteres Berufsleben, dass es nicht einmal "exakte Zahlen" gebe, wie viele Leute überhaupt in Deutschland jährlich ihr Studium abbrechen, weil das "nicht zentral erfasst wird".

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    3. Nun, Zahlen zur sozialen und wirtschaftlichen Lage von Einwanderern liegen vor, nicht nur für Deutschland, sondern z.B. auch für Schweden, z.T. auch nach bestimmten Einwanderergruppen getrennt. Selbst wenn man nicht davon ausgeht (was meines Erachtens aber unvermeidlich ist), dass unkontrollierte Einwanderung noch schlechtere Ergebnisse produziert, teilen diese Erlings Optimismus nicht.

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    4. So ist das mit dem Optimismus. Der wird selten durch Daten untermauert, weil er einer schwierigen und vielleicht auch hoffnungslosen Situation etwas Positives abgewinn,t um diese dann besser bewältigen zu können als der Pessimist es vermag.
      Das Gerede über die jungen Männer z.B. die für Pessimisten alle potentielle Dschihadisten zu sein scheinen, vom IS geschickt um die Barbarei zu importieren, sieht der Optimist als Chance.
      Da helfen keine Daten, wenn man die Katastrophe kommen sehen will. Diese negativen Prophezeihungen, die ihre eigene Selbsterfüllung als Zweck in sich tragen, sind, für sich genommen, eine weitere Herausforderung die neben der Flüchtlingskrise zu bewältigen ist.

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    5. Das ist ja die alte Rede, die Durchhalteparolen schon immer begleitet hat. Da wird der Realist als Pessimist, später dann als Defätist bezeichnet, während auch der grundloseste Optimismus in der Lage sei, aus Sch... Bratkartoffeln zu machen.

      "Stimmt, diese Operation ist sehr gefährlich. Aber keine Sorge, ich habe sie schon hundert Mal gemacht!
      "Da bin ich aber beruhigt, Herr Doktor!"
      "Ja, irgendwann muss es ja mal klappen!"

      Alternativlos, Tschakka! Hat nicht funktioniert, und auf den Plan B hat man bewusst verzichtet? Ups.

      Wenn man für solche bewusst gewählte Blindheit nur selbst die Konsequenzen tragen muss, lasse ich mir die gefallen. Aber wenn politisch Verantwortliche das zur Staatsräson erheben, wird es immer gefährlich.

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    6. Es war und ist weit entfernt von Realismus die Ansicht zu vetreten, wir in Deutschland, als wirtschaftlich führende Nation in der EU, hätten die Wahl zur Entscheidung gehabt, ob uns die Folgen der Barbarei in Syrien und dem Irak betreffen oder nicht. Das war schon unrealistisch und blauäugig als Italien und Griechenland mit "ihrem" EU-Außengrenzen-Problem allein gelassen wurden. Ebenso dass die Dublin-Verordnung im Kern den Versuch darstellt ein europäisches Problem zu einem nationalen zu mutieren. Das schlug fehl. Wir in Deutschland hätten den Preis für die realitätsferne Schönfärberei der nicht existenten (einigermaßen) sicheren Außengrenzen so oder so gezahlt.
      Diese Realität wird nur allzuoft von denen verdrängt, die sich jetzt Realisten nennen, aber verantwortlich sind für den jahrelangen Selbstbetrug.
      Es ist bei der Diskussion m.E. ganz entscheidend wo die Ursachen der Flüchtlingskriese liegen - neben dem Umstand, dass wir keine Einwanderung erleben, sondern die Folgen eines Krieges vor unserer Haustür. Auch sind viele Pessimisten - Dich lieber Werwohlf zähle ich allerdings nicht dazu - weit entfernt von einem erfolgreichen Ansatz einer realistischen Einschätzung. Sie behaupten wahrheitswidrig, dass Deutschland Dublin III gebrochen zu hat um aus dieser falschen Prämisse die Kanzlerin für den Flüchtlings-Run auf Europa verantwortlich zu machen. Dass dieser seinen Ursprung im Krieg in Syrien und der Flüchtlingssituation in der Türkei, dem Libanon, Griechenland und Italien hat, wird einfach verdrängt weil es nicht in das Verantwortungsverlagerungsschema passt, welches in diesen Kreisen genauso entusiastisch praktiziert wird, wie in den antideutschen Rekrutierungsvereinen für den Sturz der Demokratie.
      Ja, Deutschlands Beitrag ist unangemessen hoch und die vielbeschworene Solidarität in der EU eine widerliche Heuchelei. Nur war Deutschland nicht einfach nur Teil dieses Systems sondern es stand dafür. Es war Autor.
      Merkels Kursänderung ist eine hin zur Realpolitik. Und die fühlt sich nicht nur unangenehm an, sie ist auch in der Realität eine Belastung, die das Land vor große Probleme stellt. Aber zu behaupten, die Flüchtlinge wären nicht nach Deutschland gekommen, hätten wir nur weiterhin so getan, als wären sie nicht unser Problem, hat nichts mit Realität zu tun aber umso mehr mit Verdrängung.

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    7. Es tut mir leid, aber wenn sich Politik in Fatalismus erschöpft, brauchen wir sie nicht. Es hilft auch nicht, Fatalismus in "Realpolitik" umzutaufen.

      Selbstverständlich muss ein Staat in der Lage sein, seine Außengrenzen zu sichern, sonst ist es kein Staat mehr. Und wenn das nur auf EU-Ebene geht, dann muss man es eben auf EU-Ebene machen - aber perverserweise setzt sich unsere Politik dort ja für alles ein, was am besten in den Einzelstaaten zu regeln wäre, während alles, was man als originäre EU-Aufgabe verstehen könnte, den Einzelstaaten überlassen bleibt.

      Sicherlich kriegt man Außengrenzen nie ganz dicht, aber soweit abschotten, dass der dann vebliebene Zustrom nicht mehr die biblischen Ausmaße von heute erreicht, könnte man sie schon. So, wie jetzt im Domino-Effekt durchgewinkt wurde, müsste dann im Domino-Effekt dicht gemacht werden, wenn es anders nicht geht. Aber wer hat nochmal am lautesten geschrien, als Ungarn anfing, einen Zaun an der Grenze zu errichten? Wer überschüttete die Ungarn mit Vorwürfen, als diese von der Registrierung der Massen überfordert waren? Sorry, auch wenn ich dann unter "Pessimist" falle, aber ein glaubwürdiger Verfechter von Dublin ist diese Bundesregierung, ist diese Kanzlerin zuallerletzt.

      Wir reden doch längst nicht mehr nur von Syrien und Irak. Wir reden vom Balkan, von Afghanistan, von Pakistan, von Ghana, Nigeria und und und... Wir reden nicht nur von den 1,5 Millionen dieses Jahr, sondern von mehreren Millionen in den kommenden Jahren. Der Zuwachs ist weiterhin mehr exponentiell statt "nur" linear.

      Dass diese Leute sich zu großen Teilen ausgerechnet nach Deutschland und nicht woanders hin aufmachen, das hat dann eben doch eine Menge mit den Worten und Bildern zu tun, die - nicht nur, aber eben auch - von Merkel in die Welt gesetzt wurden.

      Merkel ist nicht für den Push verantwortlich, welcher Art auch immer der im Einzelfall sei, aber sie hat mit ihren Mitteln dafür gesorgt, dass der Strom speziell nach Deutschland geleitet wird. Das ist keine verantwortungsvolle Politik, und das widerspricht m.E. ihrem Amtseid, den sie somit zum dritten Mal schwerwiegend verletzt hätte. Sie wird in die Geschichte eingehen, wenn nicht als Totengräberin der deutschen Nachkriegsdemokratie, dann als ihre mit Abstand schlechteste Kanzlerin. Ein Friedensnobelpreis passt dazu.

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    8. Fatal war es, zu sehen, dass es keine EU-Außengrenze gibt und trotzdem an Dublin festgehalten wurde. Fatal, weil unter Ausblendung der Realität.
      Die Flüchtlinge nach Deutschland zu lassen, war eine Reaktion auf den Stau der sich in Ungarn bildete. Wäre dieser noch gewachsen, hätte es noch weniger kontrollierten Zustrom gegeben.
      Ich finde, dass die Alternativen weniger tragfähig gewesen wären, als die jetzige Situation.
      Alles beginnt mit den EU-Außengrenzen und Deinen Ausführungen dazu stimme ich zu. Nur ist es eben mit Schengen schwer zu vereinbaren, in Deutschland eine Grenze zu errichten die die Flüchtlinge auch zurückhält. Denn die würde den Warenverkehr des Binnenmarktes an diesen Punkten ebenso einschränken.
      Der Wunsch nach Deutschland zu kommen wurde befördert, das streite ich nicht ab. Über die dahinterliegenden Intentionen kann ich nur spekulieren. Was mir aber auffällt ist, dass in der Frage einer geregelten Zuwanderung von Fachkräften die deutsche Politik völlig blockiert ist. Auch aus der Union ist mit dem Bewahren des Status Quo nichts Konstruktives gekommen. An diesem Punkt haben die Gewerkschaften die Politik fest im Griff. So wird viel moralisiert und wenig getan. Ob die Kanzlerin eine Lösung dieser Blockade durch eine kaum gebremste Zuwanderung durch Kriegsflüchtlinge erreichen wollte, bezweifle ich. Es ging meines Erachtens um die Situation dieser Menschen hier in Mitteleuropa, vorm Winter und dem sichtbar sich verstärkenden Handlungsdruck - hätte man Ungarn und Österreich ebenfalls sich selbst überlassen.
      Leider ist die EU immer noch uneins welches die angemessenen Maßnahmen sind, um die EU-Außengrenzen so zu sichern, dass die nationalen nicht wieder errichtet werden müssen. Und auch ob die getroffenen ausreichen um den Druck zu entspannen.

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    9. Ein Punkt in dieser ganzen Diskussion fällt komplett unter den Tisch, wenn es um die Ursachen des Flüchtlingsstromes geht:
      Die Rolle Russlands.
      Putin sorgt gerade in Syrien für den nächsten Exodus. Was Assad jetzt bei seinen Kriegsverbrechen an Puste ausgeht, wird durch Russland erneuert und verstärkt. Die Reaktion darauf aus Union und SPD, um nur mal die Regierung ins Blickfeld zu nehmen, ist die Fortsetzung einer völlig verfehlten Analyse von Putins Politik. Dass sich auch die Obama-Truppe bis zur Blamage über den Tisch ziehen läßt ist da kein Trost. Auch hier wird einer Schönfärberei der Vorzug vor der, zugegeben, etwas fatalen Realität gegeben.

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  3. Den besten meiner Mitarbeiter von damals habe ich sträflich vergessen, womit "Frankreich" noch zur Aufzählung hinzukommt. Der sprach am Anfang auch kaum deutsch, studierte aber auf Lehramt. Ich wunderte mich schon sehr, doch es dauerte nur wenige Monate bis ich mich nochmal wunderte - über seinen umfangreichen detschen Sprachwortschatz.

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  4. Ein Zitat vom Personalleiter der HEW-Kabel in Witterfürth:
    "Wir sind bei deutschen Bewerbern am Bodensatz angelangt. Man kann es leider nicht mehr anders sagen. Das ist nicht nur ein Fachkräftemangel, das ist ein genereller Arbeitskräftemangel. Es fehlen bei den meisten die einfachsten Grundvoraussetzungen: zuverlässig sein, pünktlich sein, mitdenken."
    Der Artikel passt gut zu diesem Thema und deshalb hier die Adresse: http://m.welt.de/politik/deutschland/article146338342/Ein-simpler-Trick-der-Fluechtlinge-in-Arbeit-bringt.html

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